|

|
|
|
Die Tochter des Zaren
In einem Zarenreich, da lebte einmal ein Zar, der hatte eine
Tochter, die jede Nacht verschwand. Niemand wusste, wohin die Zarentochter
ging.
Das ließ der Zar überall bekanntmachen: "Wer herausfindet, wohin meine Tochter
verschwindet, soll sie zur Frau bekommen. Versuch aber jemand, diese Aufgabe zu
lösen, ohne dass er es kann, so soll es ihn den Kopf kosten."
Rings ums das Schloss war ein Pfahlzaun, der war beinahe ganz mit Menschenköpfen
behangen, und es verging kaum ein Tag, and dem nicht ein neur Kopf auf einen Pfahl
kam.
Nicht weit vom Schloss diente ein Soldat in einem Regiment, der war des Dienens müde. Und als er eines Tages auf Wache stand, da machte er sich einfach auf den
Weg.
Ging er nun lange Wege, order ging er kurze Wege? Es ist nicht bekannt.
Eines Tages kam er an eine Waldwiese, da waren drei Waldgeister, die sich
stritten. Die Waldgeister sprachen: "Soldat, hilf uns, diese drei Dinge zu
teilen: Wir haben ein Tisch-tuch-deck-dich, einen fliegenden Teppich und eine
Tarnkappe."
Da nahm der Soldat sein Gewehr und sprach: "Ich schieße, und wer mir die Kugel
bringt, soll die drei Dinge bekommen."
Die Streitenden waren einverstanden, der Soldat schoss, und die Waldgeister rannten in den
Wald, um nach der Kugel zu suchen.
Der Soldat hatte aber nach hinten geschossen. Und solange die Drei suchten, setzte der Soldat die Tarnkappe
auf, steckte das Tuch ein, setzte sich auf den fliegenden Teppich und flog
davon.
So kam er in das Reich des Zaren und hörte, dass derjenige seine Tochter
bekäme, der herausfinde, wo sie jede Nacht hingehe. Der Soldat steckte die drei Dinge in seinen
Beutel, ging zum Zaren und sprach: "Ich will herausfinden, wo Eure Tochter
hingeht. Ich bleibe aber nicht nur eine Nacht, sondern drei Nächte."
Da sprach der Zar: "Wenn du die Aufgabe löst und herausfindest, wo sie
hingeht, so sollst du sie zur Frau haben. Löst du die Aufgabe nicht, so schlage ich die den Kopf ab und hänge ihn an einen
Zaunpfahl."
Der Zar führte den Soldaten bis vor das Schlafgemach der Zarentochter, zeigte ihm ein Sofa und
hieß ihn warten. Nach einiger Zeit kam die Zarentochter aus ihrem Schlafgemach und gab dem Soldaten ein Glas Schnaps zu
trinken. Der tat so, als trinke er. Doch er goss das Glas aus und trank keinen
Tropfen. Dann legte er sich auf das Lager und stellte sich schlafend. Die Zarentochter war davon nicht
überrascht, denn sie hatte Schlafpulver in den Schnaps getan.
Als nun der Soldat schnarchte, rief die Zarentochter ihre Dienerinnen und
befahl: "Bringt mir zwölf Paar Strümpfe und zwölf Paar
Schuhe."
Danach hob sie unter ihrem Bett eine Falltür und verschwand in den Keller. Der Soldat ging ihr heimlich nach und wurde nicht
bemerkt, weil er seine Tarnkappe aufgesetzt hatte und nicht zu sehen war. Tief unter im Keller lag eine Zauberplatte auf dem gestampften
Lehm. Die Zarentochter hob sie hoch uns stieg hinab in die Unterwelt. Der Soldat immer
hinterher.
Nicht lange, da kamen sie in einen kupfernen Garten mit einem kupfernen
Apfelbaum, der trug kupferne Äpfel. Der Soldat riss sich einen kupfernen Apfel ab und steckte ihn in seinen
Beutel. Sogleich fingen Glocken an zu läuten und Kanonen zu donnern. Der weitere Weg war
versperrt, und sie kamen nicht weiter.
Da kehrte die Zarentochter um und ging zurükck in ihr Schlafgemach. Davor, auf dem
Sofa, lag schon der Soldat und stellte sich schlafend.
"Schlaf nur, Soldat! In zwei Tagen wird dir mein Vater den Kopf
abschlagen", sprach die Zarentochter.
Am anderen Morgen als noch lange kein Vogel sang, da schrie del Soldat schon aus vollem
Halse: "Wo ist mein Samowar mit dem Tee, wo ist mein Mittagessen und mein
Wein?"
Die Diener brachten alles, was er verlangte, und der Soldat ließ es sich wohl
sein, den ganzen Tag. Am Abend kam die Zarentochter aus ihrem Schlafgemach und brachte ihm ein goldenes Glas voll Schnaps zu
trinken.
Wieder tat der Soldat, als trinke er. Dann legte er sich auf das Sofa, und stellte sich
schlafend. Als nun der Soldat schnarchte, rief die Zarentochter ihre Dienerinnen und
sprach: "Bring mir zwölf Paar Strümpfe und zwölf Paar Schuhe."
Als alles gebracht war, hob sie unter ihrem Bett die Falltür und verschwand wieder in den
Keller. Der Soldat ging ihr nach, und wieder bemerkte sie ihn nicht, weil er seine Tarnkappe aufgesetzt
hatte. So gingen sie durch den kupfernen Garten und kamen zu einem silbernen
Garten. In diesem stand ein silberner Apfelbaum, der trug silberne
Äpfel. Der Soldat riss einen davon ab und steckte ihn in seinen
Beutel.
Sogleich fingen wieder Glocken an zu läuten und Kanonen zu donnern. Der weitere Weg war
versperrt, und sie kamen nicht mehr voran. Da kehrte die Zarentochter heim und ging in ihr
Schlafgemach. Davor auf dem Sofa lag schon der Soldat, und stellte sich
schlafend.
"Schlaf nur, Soldat! In einem Tag wird dir mein Vater den Kopf
abschlagen," sprach die Zarentochter.
Am anderen Morgen, als noch lange kein Vogel sang, da schrie der Soldat schon aus vollem
Halse: "Wo ist mein Samowar mit Tee, wo mein Mittagessen und mein
Wein?"
Die Diener brachten alles was er sich wünschte, und der Soldat ließ es sich wohl
sein, den ganzen Tag. Als es Abend war, kam die Zarentochter aus ihrem Schlafgemach und reichte ihm wieder ein Becher voll
Schnaps.
"Ein wenig will ich kosten," dachte der Soldat und nahm einen kleinen
Schluck. Den Rest schüttete er heimlich aus, bevor er das leere Glas der Zarentochter
gab. Dann drehte er sich zur Seite und schlief ein.
Zufrieden rief die Zarentochter ihre Dienerinnen und befahl: "Bringt mir zwölf Paar Strümpfe und zwölf Paar
Schuhe."
Als sie alles hatte, hob sie unter ihrem Bett die Falltür und verschwand. Doch davon erwachte der
Soldat. Sogleich nahm er seine Tarnkappe und folgte ihr durch die Falltür in den
Keller. Mit aller Kraft hob er dort die Zauberplatte hoch und stieg hinab in die
Unterwelt. Er ging durch den kupfernen Garten, und er ging durch den silbernen
Garten. Danach kam er in einen goldenen Garten. Dort stand ein goldener
Apfelbaum, der trug goldene Äpfel. Der Soldat riss einen von ihnen ab und steckte ihn in seinen
Beutel. Sogleich fingen wieder Glocken an zu läuten und Kanonen zu
donnern. Weil der Soldat aber seine Tarnkappe aufhatte, war er
unsichtbar, und der Weg war nicht versperrt, und er ging weiter bis zu einem
Meer, an dessen Ufer sich ein Kristallberg erhob, den die Zarentochter
hinaufging. Als der Soldat sie endlich eingeholt hatte, trat sie gerade an den Rand des
Berges, und sprach: "Erschiene, Wagen ohne Achsen und ohne Räder, erschiene in der
Luft."
Da erschien ein seltsamer Wagen, in den sich die Zarentochter setzte. Weil kein anderer Platz mehr war, setzte sich der Soldat der Zarentochter auf die
Knie, und sie fuhren übers Meer zum Reich des Zaren jenseits des
Meeres.
Dieser empfing die Zarentochter und sprach: "Ljubuschka, warum bist du zwei Tage nicht bei mir
gewesen?"
"Deine verfluchten Diener haben mich nicht durchgelassen," antwortete die
Zarentochter.
"Ich werde alle Diener fortjagen,"sprach der Zar. Dann nahm er ihren Arm und führte sie in den
Palast. Und der Soldat immer hinterher.
Der Zar hatte eine Teekanne Biete-selbst-an. Diese gießt die Tassen von selbst
ein. Kaum hatten die beiden sich gesetzt, sprang die Kanne aus dem Schrank und goss Tee in die
Tassen. Auch vor dem Soldaten, der ein wenig abseits Platzt genommen
hatte, stand eine volle Tasse auf dem Tisch.
Da sprach der Zar: "Ljubuschka, was ist denn das? Wir sind doch nur
zwei, aber die Kanne gießt dreimal ein. Wem bietet sie denn da Tee
an?"
Da sprach die Zarentochter: "Ich weiß nicht, aber wie ich heute über das Meer
fuhr, da war auf meinen Knien so eine unheimliche Last."
Da sie das Rätsel nicht lösen konnten, kümmerten sie sich nicht weiter
darum, und der Zar schenkte seineer
Ljubuschka ein Kleid von unbeschreiblicher Schönheit und Schuhe
dazu.
Unbeobachtet nahm der Soldat die Schuhe, das Kleid und die Kanne und steckte alles in seinen
Beutel.
"Ich lasse dich nicht mehr zu deinem Vater zurück, wir werden jetzt die Hochzeit
feiern", sprach der Zar.
Da erwiderte die Zarentochter: "Lass mich noch einmal nach Hause, ich möchte
sehen, wie mein Vater dem Soldaten den Kopf abschlägt."
Da ließ der Zar sie gehen. Und sie trat an das Meeresufer und sprach:
"Erscheine, Wagen ohne Achsen und ohne Räder, erscheine in der
Luft."
Der Wagen erschien, die Zarentochter setzte sich hinein und der Soldat
daneben. So fuhren sie wieder übers Meer. Noch bevor der Wagen wieder verschwinden
konnte, nahm ihn der Soldat und steckte ihn in seinen Beutel.
Die Zarentochter aber lief und lief, sie trug schon das letzte Paar Schuhe und das letzte Paar
Strümpfe, und da war sie endlich daheim und sah vor ihrem Schlafgemach den Soldaten auf seinem Lager
schlafen.
"Schlaf nur, Soldat. Morgen früh wird dir mein Vater den Kopf
abschlagen," sprach die Zarentochter.
Am anderen Morgen, als noch schon lange kein Vogel sang, da schrie der Soldat schon aus vollem
Halse: "Wo ist mein Samowar mit dem Tee, wo ist mein Mittagessen und mein
Wein?"
Doch statt der Diener kam der Zar mit dem Säbel und wollte dem Soldaten den Kopf
abschlagen.
Da sprach der Soldat: "Du denkst, ich habe nicht herausgefunden, wo deine Tochter jede Nacht
hingeht. Doch ich weiß alles. Versammle alle deine Würdenträger, und ich werde es dir
erzählen."
Als alle versammelt waren, sprach der Soldat: "Wer mich unterbricht, soll hundert Rubel zahlen und hundert Rutenhiebe
bekommen."
Damit waren alle einverstanden, und der Soldat fing an zu erzählen wie alles war. Wie er vom kupfernen Garten
erzählte, rief ein General: "Das ist nicht wahr, das gibt es
nicht."
Da öffnete der Soldat seinen Beutel, holte den kupfernen Apfel hervor und zeigte
ihn. Der General bekam Hiebe, und wurde durchgebläut nach Strich und
Faden.
Wie er vom silbernen Garten erzählte, da rief ein anderer General: "Das ist nicht
wahr, das gibt es nicht. Ein kupferner Garten, das mag ja sein, aber ein
silberner, nein, das gibt es nicht!"
Da öffnete der Soldat seinen Beutel und holte den silbernen Apfel hervor und zeigte
ihn. Der General bekam Hiebe und wurde durchgebläut nach Strich und
Faden.
Wie er vom goldenen Garten erzählte, da rief ein dritter General: "Das ist nicht
wahr, das gibt es nicht. Ein kupferner und ein silberner Garten, das mag ja
sein, aber ein goldener, nein, das gibt es nicht!"
Da öffnete der Soldat seinen Beutel, holte den goldenen Apfel hervor und zeigte
ihn. Der General bekam Hiebe und wurde durchgebläut nach Strich und
Faden.
Nun holte der Soldat die Teekanne Biete-selbst-an aus seinem Beutel und das unbeschreiblich schöne Kleid und die schönen
Schuhe. Der Zar und alle anderen waren so erstaunt, dass sie keine Worte mehr
fanden.
Endlich aber sprach der Zar: "Du sollst meine Tochter zur Frau haben. Fährst du
heim, oder willst du hierbleiben, Soldat?"
"Ich fahre heim," erwiderte der Soldat.
Da sprach die Zarentochter zum Soldaten: "Warum fährst du heim?"
Der Soldat antwortete: "Ich werde säen und ernten, und dich werde ich es auch
lehren, und in die Unterwelt kommst du bei mir nicht."
Die Zarentochter fing an zu weinen, fiel auf die Knie und schwor dem Soldaten ewige
Treue. Da bekam der Soldat Mitleid und kehrte mit ihr zum Vater
zurück.
Und sie lebten und lebten, und als der Zar starb, da wurde der Soldat Zar und herrschte über das
Reich.
|
|

|
|
Das Mädchen auf der Eulschierbenmühle
Auf dem Schloss zu Gamburg lebte einst ein Graf, der war ein leidenschaftlicher Jäger und Fischer und
verbrachte, zum Verdruss seiner Gattin, oft viele Tage fer von seiner Burg mit Fischen und
Jagen.
Als er einst im Erlengenbüsche bei der Mühle von Eulschirben mit Fischfang beschäftigt war, sah er ein ihm unbekanntes Mädchen von wunderbarer Schönheit vorübergehen und dann in der Mühle
verschwinden. Er fragte den Müller, wer die schöne Fremde sei und erhielt die
Antwort, seit kurzem habe sie sich in der Mühle verdingt, jedoch mit dem
Vorbehalt, dass sie vom Donnerstagabend bis zum Samstag früh im Walde leben
dürfe, was ihr gerne zugestanden wurde, denn sie arbeitete in einer halben Woche so
viel, wie andere Mägde kaum in einer ganzen.
Der Graf hatte eine leidenschaftliche Liebe zu dem Mädchen gefasst, und wollte daher diesem Geheimnis auf die Spur
kommen.
So begab er sich am nächsten Donnerstagabend wieder in der Nähe der
Mühle, um die seltsame Fremde zu belauschen. Wirklich erschien das
Mädchen, verschwand aber ebenso wieder wie das erste Mal. An einem späteren Tag schlich er ihr nach und
sah, wie sie sich am Ufer der Tauber vorsichtig auskleidete, ihre Gewänder sorgfältig im Gebüsch versteckte und dann mit raschem Sprung in das Wasser
tauchte. Nach einer Weile erschien sie wieder auf dem Wasserspiegel und weigte
sich, eine Perlenkrone auf dem Haupt, über den vom Monde hell beschienenen
Fluten.
Zugleich aber bemerkte auch der Graf, dass ihr Leib von der Hüfte an Schnuppen trug und in einem Fischschwanz
endigte. Als die Wasserfrau, denn als solche hatte sie der Graf
erkannt, wieder untertauchte, schlich sich dieser an die Stelle, wo die Kleider
lagen, und nahm sie weg.
Durch dieses Pfand war die schöne Frau die Geliebte des Herrn von Gamburg
geworden. Der Graf baute ihr auf ihren Wunsch bei der Mühle ein Schloss und verlebte hier mit ihr die schönsten
Tage. Von Donnerstag bis Samstag kehrte sie jedoch nach wie vor durch die unteren Räume des neuen Schlosses in das Wasser der Tauber
zurück, während der Graf diese Zeit in Gamburg zubrachte.
Auf die Dauer aber blieb dies nicht verborgen.
Der Müller hatte oft Saitenspiel im Schlosse gehört, und es gelang dem
Neugierigen, die beiden eines Tages zu belauschen. Auf der Stelle begab er sich zu dem Abt von Bronnbach und erzählte ihm den
Vorfall.
Der Abt gab dem Müller ein mit geweihtem Wachs verklebtes Papier, das er nach seinem Rat auf die oberste Schwelle der Treppe
legte. Als nun die Wasserfrau sich dann am Donnerstagabend die Stiege hinunter in ihr Element begeben
wollte, hörte der Müller ein lautes Jammern und gleich darauf einen schweren Fall in die
Tauber. Dann war es wieder totenstill.
Die Wasserfrau war für immer verschwunden, und der Graf starb bald aus
Gram. Die Gräfin errichtete zum Andenken an ihren Gemahl an der Stelle ein Kloster und lebte darin bis zu ihrem
Tode.
Kurz nach ihrem Hinscheiden entstand aber eine solche Überschwemmung, dass nur noch das Dach des Gebäudes
hervorragte.
Die Nonnen verließen das Kloster.
Später wurde es von dem Müller zu einer Mühle umgebaut.
|
|

|
|
Der Wind als Taufpate
Bei einem Bauer, der schon viele Kinder hatte, das niemand mehr im Dorfe ihm Taufpate stehen
wollte, stand schließlich der Wind zu Gevatter.
Nach der festlichen Taufe, bei der sich der Bauer nicht lumpen ließ und die Gäste
bewirtete, dass es eine Freude war, fragte der Wind, ein würdiger, alter
Mann, der einen Bart hatte, so lang, dass er ihn sich dreimal um den Leib binden
konnte, den Vater des Kindes: "Was soll ich denn dir und meinem Patenkind zum Taufgeschenk
geben?"
Der Bauer wähnte sich schlau und antwortete: "Verfuchtle mir heuer nicht so arg das
Korn, wie es sonst deine Gewonheit ist. Ich will, dass mein Getreide in Ruhe reifen und wachsen
kann, denn dann habe ich genug, um all meine Kinder zu versorgen, wie sie es
verlangen."
Der Wind, ein alter Weiser und dennoch oder gerade deshalb auch ein arger
Schalk, lachte laut über diesen dummen Wunsch. Doch er willigte ein, denn er
wusste, eine Tat macht viele Worte überflüssig, und er versprach zu
erfüllen, was der Bauer sich von ihm als Geschenk erbeten hatte.
Als die Saaten wuchsen und der Wind in ihnen umherhing, da blieb das Korn des Bauern gänzlich unberührt
davon. Kein Windhauch beugte die heranwachsenden Ähren, kein Sturm wühlte sich durch die
Felder, um die Halme zu stärken. Der Wolf zog in den Feldern des Bauern nicht
umher, wie man zu sagen pflegte, wenn der Wind die Halme des Korns niederdrückt und
beugt, dass sie daliegen, als wollten sie sich nie wieder erheben.
Doch gerade das ist es, was den Halmen die Kraft gibt, später auch die vollen Ähren zu
tragen. Der Bauer freute sich nicht wenig, wenn er über die Felder
ging, denn, wie er immer wieder feststellen konnte, sein Getreide stand so
üppig, und hoch und goldgelb wie kein anderes ringsum.
Aber als es an die Ernte ging, und er mit Sense und Wetzsein sein Korn schneiden und heimbringen und dreschen
wollte, da musste er zu seinem Schrecken entdecken, dass sein Korn zwar hoch gewachsen war und golden gelb zur Ernte bereit stand, die meisten Ähren jedoch taub geblieben
waren, und diejenigen, welche Körner trugen, schon lange vor der Zeit
abgeknickt, weil sie nicht stark genug waren, das Gewicht der Körner zu
tragen.
Auf den Feldern der Nachbarn wogte das Meer des Korns unter einem freundlichen Wind und nickte mit schweren Köpfen seiner Ernte
entgegen.
Da klagte der Bauer dem Wind sein Leid in bitteren Worten. Dieser verspottete zunächst den Bauern wegen seiner albernen Taufbitte vom vergangenen
Jahr. Doch dann versprach der Wind dem Bauern, dass er im nächsten Jahr keine Sorge zu tragen
brauche.
Und richtig. Der Wind verfuchtelte im nächsten Jahr dem Bauern das Korn wie eh und
je, vielleicht ein wenig sorgfältiger als bei den anderen, vielleicht sogar ein wenig
heftiger.
Wer vermag das schon zu sagen?
Der Bauer jedenfalls konnte eine Ernte einfahren, die so reich war wie noch nie
zuvor.
|
|

|
|
Das junggeglühte Männlein
Zur Zeit, da unser Herr noch auf Erden ging, kehrte er eines Abends mit dem heiligen Petrus bei einem Schmied ein und bekam willig
Herberge. Nun geschah's, dass ein armer Bettelmann, von Alter und Gebrechen hart
gedrückt, in dieses Haus kam und vom Schmied Almosen forderte. Dessen erbarmte sich Petrus und
sprach: "Herr und Meister, so dir's gefällt, heil ihm doch seine
Plage, dass er sich selbst sein Brot möge gewinnen."
Sanftmütig sprach der Herr: "Schmied, leih mir deine Esse und lege mir Kohlen
an, so will ich den alten kranken Mann zu dieser Zeit verjüngen."
Der Schmied war bereit, und St. Petrus zog die Bälge, und als das Kohlenfeuer
auffunkte, groß und hoch, nahm unser Herr das alte Männlein, schob's in die Esse, mitten ins rote
Feuer, dass er drin glühte wie ein Rosenstock und Gott lobte mit lauter
Stimme.
Danach trat der Herr zum Löschtrog, zog das glühende Männlein hinein, dass das Wasser über ihn
zusammenschlug, und nachdem er's sorgfältig abgekühlt, gab er ihm seinen
Segen. Siehe, das sprang das Männlein heraus, zart, gerade, gesund und wie von zwanzig
Jahren.
Der Schmied, der genau zugesehen hatte, lud sie alle zum Nachtmahl. Er hatte aber eine alte, halb blinde bucklige
Scwiegermutter, die mache sich zum Jüngling hin und forschte
ernstlich, ob ihn das Feuer arg gebrannt habe. Nie sie ihm besser
gewesen, antwortete jener, er habe da in der Glut gesessen wie in einem kühlen
Tau.
Was der Jüngling gesagt hatte, das klang die ganze Nacht in den Ohren der alten
Frau, und als der Herr frühmorgens die Straße weitergezogen war und dem Schmied wohl gedankt
hatte, meinte dieser, er könnte seine alte Schwiegermutter auch jung
machen, da er fein ordentlich alles mit angesehen habe und es in seine Kunst
schlage. Er fragte sie deshalb, ob sie auch wie ein Mägdlein von achtzehn Jahren in Sprüngen daher wollte
gehen.
Sie sprach: "Vom ganzen Herzen," weil es dem Jüngling, der zuvor ein alter Bettler
gewesen, doch so gut bekommen war.
Da machte also der Schmied eine große Glut und stieß die alte hinein, die sich hin und her bog und grausames Mordgeschrei
anstimmte, denn sie begann zu brennen.
"Sitz still, was schreist und hüpfst du, ich will erst weidlich
zublasen."
Damit zog der Schmied die Bälge von neuem, bis ihr alle Huderlumpen
brannten. Das alte Weib schrie ohne Ruhe, und der Schmied dachte:
"Mit dieser Kunst geht es doch nicht recht zu."
Er nahm seine Schwiegermutter heraus und warf sie in den Löschtrog.
Da schrie sie so laut, dass es droben im Haus die Schmiedin und ihre Schwester
hörten; die liefen beide die Stiegen herab und sahen die Alte heulend und maulend ganz zusammengeschnurrt im Trog
liegen, das Angesicht gerunzelt, gefaltet und ungeschaffen.
Darob entsetzten sich die zwei, die beide mit Kindern gingen, so sehr, dass sie noch in derselben Nacht zwei Kinder
gebaren, die waren nicht wie Menschen geschaffen, sondern wie Affen.
So liefen zum Wald hinein; und von ihnen stammt das Geschlecht der Affen
her.
|
|

|
Zurück
|
 Newsletter
Iscriviti alla nostra Newsletter e riceverai Filastrocche-mail ogni giovedì direttamente nella tua casella di posta Iscriviti ora »
 Agenda
agenda.filastrocche.it
Eventi e appuntamenti per famiglie. Tutto per il tempo libero con i tuoi bambini!
♣ Milano e Torino: MITO 2010, SettembreMusica anche per bambini e ragazzi
Anche quest’anno torna il MITO 2010, l’International Music Festival di Torino e Milano, giunto alla sua quarta edizione. A bambini e raga...Continua » ♣ Roma: Investigatori della natura cercasiFINO AL 10 SETTEMBRE Proseguiranno ancora per 10 giorni i Campi estivi del museo civico di Zoologia. I bambini dai 5 ai 12 anni, questa volta si trasf...Continua » ♣ Roma: in biblioteca per Mulan 231 AGOSTO Stasera in biblioteca Gianni Rodari, in via Francesco Trovaglieri 273 a, tutta la famiglia è invitata alle 20.30 ad assistere alla proiezion...Continua »
 Blogmamma.it
www.blogmamma.it
Il web magazine a misura di mamma con tante novità e informazioni
♣ Vacanze e souvenir d’estate: creare con le conchiglie
Le vacanze sono finite quasi per tutti, chi è stato al mare coi propri figli avrà giocato, fatto castelli di sabbia e camminato sulla riva alla ricer...Continua » ♣ Celine Dion incinta e ricoverata in ospedale a rischio parto prematuro
Vi avevamo già parlato, qualche mese fa, della nuova gravidanza di Celine Dion che a 42 anni è in attesa di due gemelli. Leggevo oggi su yahoo musica...Continua » ♣ Concepimento: Spermatozoi attratti dall’ovulo con un profumo!
È un profumo a guidare la corsa degli spermatozoi verso l’ovulo rendendo possibile la fecondazione da parte di uno solo di essi, questo emerge...Continua »
 Dal Blog di Jolanda
jolanda.filastrocche.it
Il diario on line della mamma fondatrice di Filastrocche.it
 Ho visto: Shrek 4 – E vissero felici e contentiSto davvero diventando brava e ubbidiente, tantochè i miei bambini ieri sera mi han di nuovo portato al cinema a vedere “Shrek 4 – E visse...Continua »  Ho letto: I terribili segreti di Maxwell SimQualche tempo fa su Facebook qualcuno mi segnalò Jonathan Coe, suggerendomi di leggere qualche suo libro. Visto che sono sempre alla ricerca (ossessi...Continua »  Ho letto: Invisible monstersChuck Palahniuk non è certo un autore per stomaci deboli, questo è certo. Fatta questa premessa, vi devo dire che il libro mi è piaciuto e molto anche...Continua »
|